Wo ich gerade beim Kopfschüttler von den Zweckentfremdungen mancher Dinge las, fällt mir doch der kleine Junge ein.
So etwa 10, 12 wird er schon gewesen sein, fragt mich ganz freundlich, ob ich ihm mal sagen könnte, wie spät es ist. Ich anwortete ihm, es sei "kurz vor viertel vor". Ich gebe zu, diese Information ist nicht so präzise, deshalb hielt ich ihm zur Unterstützung meine Armbanduhr hin. Jetzt habe ich eine sehr einfach gehaltene Uhr mit Zahlen, Minutenstrichen und drei unterschiedlich großen Zeigern. Sollte man also meinen, die sei sehr leicht zu lesen. Während er noch auf meine Uhr schaut und sichtlich überlegt, hole ich mein Handy heraus, um zu überprüfen, ob mich jemand angerufen hat. "Da ist doch auch ne Uhr drauf!" ruft er und reckt den Hals, um einen Blick auf die große Digitaluhr zu werfen.

So viel zum Thema Technik verwöhnte Jugend. Mit 10 wusste ich nicht mal was so ein Handy genau ist. Mein Vater hatte eine Telefonzelle, und die auch nur aus Gründen der Sicherheit. Ich hatte auch mal Digitaluhren, sicher.
Im darauffolgenden Gespräch mit D. stellte ich fest, dass ich heute, wenn ich eine analoge betrachte, oft genug in Digitalzeit umrechne (zu Zwecken des Fahrplanabgleichs der Straßenbahnen) und wenn ich eine digitale betrachte, immer wieder in Analogzeit (viertel vor, viertel nach, halb) umrechne. Sollte das der heutigen Jugend verloren gegangen sein? Hätte ich, wie des Kopfschüttlers Liebste nur eine Farbe auf dem Ziffernblatt könnte ich den Wunsch nach einer digitalen Zeit ja verstehen. Aber hey, das hab ich nicht. Ich bin glaube ich eine der wenigen Frauen mit einer lesbaren Uhr. Irgendwie erschreckend. Und noch viel erschreckender, dass ich mir in meinem Alter Gedanken über "die heutige Jugend" mache... Aber das passiert ja irgendwie öfter.